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Spendenaktion
"Mein Herz lacht, wenn ich laufe"

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Doch ich wollte nicht einfach nur für mich laufen. Ich wollte etwas zurückgeben. Denn ich war dankbar für die Hilfe, die wir erfahren haben und dankbar für die Gesundheit meines Sohnes. Deshalb wollte ich in New York nicht einfach nur so starten, sondern als Spendenläuferin. Vor dem Lauf saß ich jeden Abend da, während meine Kinder schliefen, und nähte: Kissen, Kinderkleidung und Taschen. Ich backte Kuchen und kochte Kaffee. Und verkaufte meine selbst genähten Sachen, Kaffee und Kuchen auf Märkten. Das eingenommene Geld habe ich gespendet.

Dann war es soweit: Der New York Marathon. Doch es funktionierte nicht beim ersten Mal. Hurricane Sandy kam dazwischen. Ich schaffte es bis New York aber der Marathon wurde kurzfristig abgesagt und fegte meine Träume hinfort. Es war richtig hart, aber ich gab nicht auf und meldete mich ein zweites Mal an. Als ich 12 Monate später über die Ziellinie lief, hatte ich mich selbst wiedergefunden. Es war wie eine Befreiung. Die Ziellinie war mein Start in ein neues, selbstbestimmtes Leben. Ich war dankbar.

Ich wollte auch Dankbarkeit zeigen

In den letzten Jahren sammelte ich mit meiner Aktion über 60.000 Euro an Spenden ein und das Geld ging zu 100 Prozent an die „Deutsche Kinderkrebsnachsorge – Stiftung für das chronisch kranke Kind“. Für mein Engagement erhielt ich die Ehrennadel der Stiftung und den „dm-markt“ Helferherzen-Preis. Das tat gut. Nicht, weil ich gerne im Mittelpunkt stehe, sondern weil ich damit ein wenig Anerkennung bekam. Meine Aktion „Mein Herz lacht, wenn ich laufe“ brachte mir einen neuen Sinn in mein Leben zurück.

Und genau das möchte ich auch anderen Eltern ermöglichen. Ich möchte ihnen helfen, ihren Weg zu finden. Viel früher und ohne die großen Leiden, die ich durchmachen musste. Denn ich glaube, dass wir Betroffene uns gegenseitig unterstützen können und niemand mein Schicksal teilen muss.

Digitale Disruption auch bei der Selbsthilfe

Doch vieles ist heute anders als damals bei mir. Der digitale Wandel hat auch bei der Selbsthilfe Einzug gehalten. Und die Art, wie betroffene Eltern nach Hilfe suchen, hat sich radikal verändert. Damals fragte ich nicht Google um Hilfe. Ich postete auch keine Fotos von meinem frisch operierten Kind auf Instagram, um Unterstützung und Verständnis durch Likes und Follower zu erfahren. All das tat ich nicht. Sondern etwas sehr Klassisches: Ich trat einem Selbsthilfeverein in Stuttgart bei. Viele junge betroffene Eltern treten nicht länger Selbsthilfevereinen bei. Oft kennen sie sie gar nicht. Und wenn doch, finden sie oft dort Leitungen, die älter sind und einen ganz anderen Blick auf die Welt haben als sie selbst. Deshalb suchen sie Online nach Hilfe und Unterstützung. Auf Facebook und Instagram gibt es viele Gruppen zu diesem Thema. Doch die Bilder, die dort gepostet werden, wecken oft nur Mitleid. Abgesehen von ein paar Kommentaren, bleibt die persönliche Unterstützung aus.

Dabei gibt es so viel zu besprechen. Denn meist dreht sich im Alltag alles um die Kinder, ihre Bedürfnisse und wie es ihnen geht. Aber niemand fragt nach den Eltern. Sie kommen zu kurz, bis es fast zu spät ist. Ich wäre damals unter der Belastung beinahe zusammengebrochen. Doch wo findet man Unterstützung? Viele Betroffene wohnen weit auseinander und können sich nicht persönlich treffen. Sie können sich nicht austauschen, sind mit ihrem Alltag überfordert, haben keinerlei Zeit für sich und ihre Familie, und Freunde verstehen sie nicht. Sie ziehen sich sozial immer mehr zurück und sind mit ihren Sorgen und Ängsten auf sich allein gestellt.

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