wendepunkt

Wendepunkt

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Nur durch Zufall traf ich beim Geburtsvorbereitungskurs eine andere Mutter mit einem krebskranken Kind, die nicht weit von uns entfernt wohnte. Sie war die erste, die mich verstand. Eine wunderbare Freundschaft entwickelte sich. Wir tauschten uns aus und das erste Mal in meinem Leben fühlte ich mich nicht mehr so allein. Ich schöpfte Kraft aus den Gesprächen, gewann Mut und lernte Schritt für Schritt, auch an mich zu denken. Und in diesem Moment spürte ich, dass es eine verständnisvolle Freundin in der Nähe war, die mir immer gefehlt hatte.

Es ging langsam bergauf. Auf einmal gab es Licht am Ende des Tunnels. Weil ich mir eine Stunde in der Woche für mich erobert hatte. Sonntag früh um 8 Uhr. Eine Stunde für mich allein. Ich nutzte sie, um mit meiner Freundin im Wald joggen zu gehen, abzuschalten und zu reden. Ein Luxus. Das Laufen tat mir so gut! Die frische Luft brauchte mir einen klaren Kopf. Ich weinte weniger, ich fühlte mich weniger allein, ich hatte soziale Kontakte und war nicht mehr dauernd auf dem Tiefpunkt. Es dauerte trotzdem eine ganze Weile bis ich merkte, wie das Laufen mein Leben veränderte. Es war meine Chance, wieder zu mir selbst zu finden. Und ich nutzte sie.

Bei mir dauerte es 6 Jahre, 6 Monate und 18 Tage, bis mein Herz wieder lachte.

Nach reichlichen Überlegungen habe ich meinen ganzen Mut zusammengenommen und mich zum Marathon angemeldet. In New York! Zum größten Marathon der Welt. Zehn Flugstunden entfernt. Weit weg von meinen Kindern. Das erste Mal ließ ich mein Herzkind allein. Mich plagten riesige Zweifel und ich hatte Angst. Aber mein Wille war stärker. Ich wollte wieder leben. Für meine Familie aber auch für mich. Ich erinnerte mich an einen Satz von meinem damals dreijährigen Sohn, der mich berührte und motivierte: „Mein Herz lacht, wenn ich laufe". Das wurde mein Motto für meinen Marathon-Lauf.

 

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